Mitwirkung

Gesellschaften definieren sich durch ihre Mitglieder und können danach beurteilt werden, wie sie Gemeinschaft definieren und wem Mitspracherechte zugestanden werden. Es gehört zu den unveräußerlichen Bedingungen der Personenwürde, dass Menschen ihr Leben aktiv und selbstbestimmt gestalten. Jeder Mensch ist grundsätzlich dazu in der Lage. Daher sind Menschen nicht als bloße Objekte der Hilfe zu behandeln. Teilhabe und Teilgabe sind zwei Seiten einer Medaille. Jeder Mensch sollte daher die Möglichkeit haben, sich in gesellschaftliche Aushandlungsprozesse konstruktiv und positiv einzubringen um das Zusammenleben mitzugestalten. Diese Form der Mitwirkung zu ermöglichen, ist ein wichtiger Bestandteil sozialer Teilhabe, die es zu erlernen gilt. Das kann beispielsweise durch eine eigene Interessenvertretung, die Selbstorganisation in Vereinen oder Teilhabe an bestehenden Interessenvertretungen erfolgen. Aus diesem Grund müssen Institutionen und Organisation entsprechende Mitwirkungs- und Gestaltungsmöglichkeiten bereithalten.

Auf dem Weg zu dieser Zielvorstellung brauchen Menschen Unterstützung, Ermutigung, Bestärkung und Begleitung. Für die Befürworter einer lebendigen Zivilgesellschaft und vor allem für die Kirche ist dies eine zentrale Aufgabe. Dabei muss uns bewusst sein, dass Veränderungen unumgänglich, aber nicht zwingend negativ sind. Wenn mehr Menschen gleichberechtigt mitwirken, entstehen auch Reibungen und Konflikte. Es ist daher wichtig, dass die Kultur, die Haltung und das Bewusstsein für eine dem Menschen zugewandte Gesellschaft aufrecht gehalten und gefördert wird. Auch ist zu berücksichtigen, dass Menschen, vor allem Geflüchtete in sozialen Bezügen leben, die Ländergrenzen überschreiten. Dies ist besonders dann der Fall, wenn etwa Familien getrennt sind. Diese Bezüge prägen das Handeln dieser Personen. Integration verstanden als soziale Teilhabe wird viele nicht erreichen könne, wenn diese Bezüge nicht berücksichtigt werden und in unser Handeln einfließen.