Übersicht: für die Praxis Herausforderung wer ist gemeint Im Asylverfahren Nach der Ablehnung

2. Geflüchtete –wer ist gemeint?

Vertriebene, Kriegsflüchtlinge, Überlebende, Katastrophenopfer, Umweltflüchtlinge, Schutzsuchende, politische Flüchtlinge, Armutsflüchtlinge sind Bezeichnungen für Menschen, die gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen.
Allein für die sich in Deutschland aufhaltenden Geflüchtete werden unterschiedliche Begriffe gebraucht, die Hinweise auf den rechtlichen Status geben. Der Status entscheidet, welche staatlichen Hilfen gewährt werden und welche Bedingungen für den Aufenthalt gelten.
Wer ist gemeint?

  • Asylsuchende/AsylbewerberInnen

    sind Menschen, die durch verschiedene Länder auf dem Landweg oder Luftweg nach Deutschland geflohen sind, und hier einen Asylantrag (Antrag auf Anerkennung als Flüchtling) gestellt haben. Sie befinden sich noch im Asylverfahren, d.h. es wurde noch keine endgültige Entscheidung über ihren Antrag getroffen. Falls sie mit einem Pass eingereist sind, befindet sich dieser in der Regel beim Ausländeramt oder Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Sie haben nur ein Aufenthaltspapier als Ersatz, das Aufenthaltsgestattung heißt und bei der Erstregistrierung vom BAMF ausgestellt wird. Wenn noch keine Aufenthaltsgestattung ausgesprochen wurde, verfügen sie in der Regel über einen Ankunftsnachweis (Fiktionsbescheinigung).

  • Asylberechtigte im Sinne des deutschen Grundgesetzes

    sind Menschen, die das Asylverfahren individuell mit Erfolg durchlaufen haben, und nicht – zumindest nicht nachweisbar - durch andere EU-Länder oder sichere Drittländer nach Deutschland gekommen sind, sondern auf direktem Weg eingereist sind. Sie erhalten eine befristete Aufenthaltserlaubnis (zunächst drei Jahre) nach § 25 Abs. 1 AufenthG. Es besteht ein Anspruch auf Familienzusammenführung.

  • Anerkannte Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention

    sind Menschen, die das Asylverfahren individuell mit Erfolg durchlaufen haben, zwar teilweise über Drittländer eingereist sind, aber dorthin nicht zurück überstellt werden konnten. Sie erhalten eine Aufenthaltserlaubnis (zunächst drei Jahre) nach § 25 Abs. 2 AufenthG. Es besteht ein Anspruch auf Familienzusammenführung.

  • Subsidiär Schutzberechtigte

    sind Menschen, denen eine Anerkennung im Asylverfahren ausgesprochen wird, weil in ihren Herkunftsländern ernsthafte Schäden für sie drohen. Als ernsthafter Schaden gilt die Verhängung oder zu erwartende Vollstreckung der Todesstrafe, Folter oder unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Bestrafung oder eine ernsthafte individuelle Bedrohung des Lebens oder der Unversehrtheit infolge willkürlicher Gewalt im Rahmen eines internationalen oder innerstaatlichen Krieges. Sie erhalten eine befristete Aufenthaltserlaubnis (zunächst 1 Jahr), die verlängert werden kann. Der Anspruch auf Familiennachzug zu subsidiär Geschütze ist ab dem 01.08.2018 begrenzt auf 1.000 Personen pro Monat und unter bestimmten Voraussetzungen wieder möglich. Die Voraussetzungen regelt das Familiennachzungsneuregelungsgesetz.

  • Geflüchtete mit Aufenthalt aus weiteren humanitären Gründen

    sind Menschen, die über die oben genannten Punkte hinaus wegen allgemeiner Gefahr für Leib und Leben oder wegen spezieller persönlicher Härtegründe nicht in ihr Herkunftsland zurückgeschickt oder abgeschoben werden können, und die deshalb eine Aufenthaltserlaubnis nach unterschiedlichen Paragraphen des Aufenthaltsgesetzes erhalten. Darunter fallen auch Geflüchtete aus Kriegsgebieten. Sie haben in der Regel ihren Nationalpass oder ein deutsches Passersatz-Dokument und eine Aufenthaltserlaubnis oder eine Duldung (= Aussetzung der Abschiebung). Es besteht kein Anspruch auf Familienzusammenführung.

  • Geduldete Flüchtlinge

    Geduldete Flüchtlinge können auch solche Flüchtlinge sein, deren Abschiebung aus individuellen gesundheitlichen Gründen zurück gestellt wird, oder die zunächst nicht abgeschoben werden können, weil ihre Pässe nicht organisiert werden können. Es besteht kein Anrecht auf Familienzusammenführung.

  • „Dublin“-Flüchtlinge

    sind Personen, die nachweislich über ein anderes EU-Land, Norwegen, Island, Schweiz oder Lichtenstein nach Deutschland eingereist sind. Im Rahmen der europäischen Vereinbarungen ist das Land, in dem Schutzsuchende erstmals europäischen Boden betreten, für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig. Aus diesem Grund muss der Schutzsuchende grundsätzlich dorthin zurück. Es gibt aber Gründe, die dennoch für die Durchführung des Asylverfahrens in Deutschland sprechen. Dann kann es den sogenannten Selbsteintritt geben, in dem sich Deutschland für das Asylverfahren zuständig erklärt. Der Selbsteintritt greift auch nach Ablauf einer zeitlichen Frist von derzeit sechs Monaten. Das europäische Asylzuständigkeits-System bestehen aus der Dublin-Verordnung, der Dublin-Durchführungsverordnung und der EURODAC-Verordnung.

  • Kontingentflüchtlinge

    sind Flüchtlinge, die im Rahmen internationaler Vereinbarungen nach Deutschland als „Kontingent“ (festgelegte Anzahl und/ oder weiter festgelegte Merkmale von Flüchtlingen) übernommen werden und hier – zumindest vorübergehend – eine Aufenthaltserlaubnis erhalten. Sie haben einen ähnlichen Status wie nach der Genfer Flüchtlingskonvention anerkannte Flüchtlinge.

Unbegleitete minderjährige Ausländerinnen und Ausländer

sind minderjährige Flüchtlinge, die ohne Eltern oder Erziehungsberechtigte in Deutschland ankommen. Sie werden nach einer Altersfeststellung in Obhut genommen und werden nicht in einer Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende sondern einer Jugendhilfeeinrichtung untergebracht. Asylmündigkeit beginnt mit der Volljährigkeit. Vorher wird vom Jugendamt ein Vormund bestellt, der für die Asylantragstellung zuständig ist.

  • Links und Informationen
  • Sich engagieren
  • Auf einen Blick
  • Klären Sie bei Ihren Kontakten Geflüchtete über die Bedeutung des Aufenthaltsstatus auf, der wichtig für die Bleibeperspektiven und die staatlichen Unterstützungsleistungen ist.
  • Überlegen Sie mit Beratungsstellen ob gegebenenfalls ein Status erreicht werden kann, der den Aufenthalt sicherer macht.
  • Das deutsche Recht kennt eine Vielzahl von Bezeichnungen und Aufenthaltstiteln, die sich aus dem Ablauf und den Entscheidungen im Asylverfahren ergeben.
  • Die Art des Aufenthaltstitels entscheidet oft sehr weitreichend über weitere Rechte sowie Aufenthalts- und Integrationsbedingungen, was auch für die Möglichkeiten des Familiennachzugs gilt.

Mehr zu Asyl- und Flüchtlingsfragen

z. B. bei diesen Online-Adressen:
Informationsverbund Asyl
Pro Asyl
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
Katholische Arbeitsgemeinschaft Migration
Arbeitskreis Asyl Rheinland-Pfalz

Glossar / Wörterbuch

Auf der Internetseite des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge finden Sie ein umfangreiches Glossar, in dem wichtige Begriffe aus dem Asyl- und Migrationsbereich kurz erläutert sind.