Übersicht: für die Praxis Herausforderung wer ist gemeint Im Asylverfahren Nach der Ablehnung

Besondere gesundheitliche Belastung – Trauma

Geflüchtete durchleben oft belastende und traumatische Erlebnisse aufgrund von Menschenrechtsverletzungen, Kriegserlebnissen, Flucht- und Vertreibungserfahrungen und zeigen in der Folge starke Stressreaktionen. Eine oder mehrere psychische Traumatisierungen erhöhen das Risiko für fast alle psychischen Störungen (wie zum Beispiel Depression, Angststörungen, Zwangsstörungen, Essstörungen, Suchterkrankungen, psychosomatische Störungen, Psychosen). Einige Geflüchtete leiden schon seit Jahren an Beschwerden, die wegen eingeschränkter Krankenhilfeleistungen, sprachlichen Problemen, isolierter Unterbringung häufig nicht einer ausreichenden Behandlung zugeführt wurden.

Eine Traumaberatung ist für Betroffene besonders wichtig. Im Bistum Trier bieten die Psychosozialen Beratungsstellen der Ortscaritasverbände Rhein-Mosel-Ahr und Trier Beratungs- und Therapiemöglichkeiten für traumatisierte Geflüchtete.

Zusammen mit der Lebensberatung im Bistum Trier wird im „willkommens-netz.de“ zudem ein Unterstützungspaket Trauma für Geflüchtete und Ehrenamtliche umgesetzt. Dieses beinhaltet eine Erstbegleitung von Geflüchteten, gegebenenfalls auch mit Übersetzungsleistungen durch Sprach- und KulturmittlerInnen, sowie die Schulung und Begleitung von Ehrenamtlichen im Umgang mit traumatisierten Geflüchteten.

  • Traumafolgestörungen:

    Eine der häufigsten psychischen Traumafolgestörungen ist die „Posttraumatische Belastungsstörung“ (PTBS). Schätzungen zufolge leiden weltweit rund ein Drittel aller Menschen mit Fluchterfahrung an einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Die Stressreaktionen sind als normal anzusehen. Unter einem „Trauma“ wird die Verletzung der Seele durch ein tragisches, erschütterndes, stark belastendes Erlebnis verstanden, das außerhalb der üblichen menschlichen Erfahrung liegt. Kennzeichnend für eine traumatische Situation ist das Erleben von Bedrohung, Ausgeliefertsein, Entsetzen, Hilflosigkeit sowie Todesangst.

    Durch ein Trauma werden existenziell wichtige psychische Grundannahmen über die eigene persönliche Unverletzbarkeit, der Glaube an eine im Wesentlichen geordnet funktionierende und positive Welt und das Gute in Menschen erschüttert.

  • Symptome eines Traumas

    Typische Symptome eines Traumas können die Folgenden sein:

    • Ständige Rückerinnerungen an das traumatische Erlebnis am Tage und in Albträumen in der Nacht
    • Massive Versuche, das traumatische Erlebnis zu ignorieren und zu vermeiden, nicht darüber zu reden oder daran zu denken
    • Einerseits Gefühlsunterdrückung:
      • Gefühle emotionaler Betäubung
      • niedergedrückte Stimmung
      • Interessen- und Lustlosigkeit
      • Entscheidungsschwierigkeiten
    • Andererseits vermehrte Gefühlsproduktion:
      • häufiges Weinen
      • Nervosität/ Reizbarkeit/ Neigung zu aggressiven Verhaltensweisen
      • Grübelneigung/Grübelzwang
      • Ängste, Schreckhaftigkeit
      • Gefühle der Isolation, Misstrauen, Schuld- und Schamgefühl
      • Suizidgedanken, Gefühle von Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Sinnlosigkeit
    • Andauernde Schlafstörungen, Gedächtnis- und Erinnerungsstörungen, Konzentrationsstörungen
    • Verändertes Selbsterleben, niedriges Selbstwertgefühl
    • Vielfältige körperliche Beschwerden (oft verbunden mit chronischen Schmerzen)
    • Verwendung von Suchtstoffen, um gezielt die Rückerinnerungen an das oder an die traumatischen Erlebnisse zu unterdrücken.

    Diese Symptome treten nicht immer alle auf, gelegentlich treten sie recht plötzlich auf und manchmal verstärken sie sich langsam über einen längeren Zeitraum. Die Symptomatik kann in ihrer Ausdrucksform kulturell geprägt sein. Kinder haben teilweise eine andere Symptomatik als Erwachsene. Die Symptome werden oft zu spät erkannt oder falsch zugeordnet.

  • Auswirkungen

    Personen, die unter diesen Symptomen leiden, haben manchmal Schwierigkeiten, sich neu zu orientieren, ihr Leben aktiv zu bewältigen und Herausforderungen durchzuhalten. Dies kann sich in vielerlei Hinsicht auswirken. Manchmal fällt es den Personen nicht leicht, um Hilfe aufzusuchen. Oder Sie fordern massiv ein, dass andere ihnen vieles abnehmen, was sie doch teilweise selbst leisten können.

    Auch die langjährige Lebenssituation als AsylbewerberIn oder geduldeter Flüchtling ist stark belastend und führt in Einzelfällen sogar zu „Re-Traumatisierungen“, dem Gefühl, wieder der gleichen Hilflosigkeit und Repression ausgesetzt zu sein. Ängste, eventuell doch in das Heimatland zurück zu müssen, Sorge um Familienmitglieder oder Freunde können viel Energie blockieren und den Lebensmut einschränken.

  • Auswirkung auf das Asylverfahren:

    Die Erfahrungen können auch Asylverfahren sehr beeinflussen, wenn Betroffene nicht in der Lage sind, über die schrecklichen Erlebnisse zu sprechen, oder nach den Erfahrungen im Heimatland Ängste bestehen, mit einem Beamten zu sprechen, und deshalb viele wichtige Aspekte verschweigen. Oft wird dann später eine psychologisch-fachliche Begutachtung zur gesundheitlichen Situation des Betroffenen erforderlich.

  • Links und Informationen
  • Sich engagieren
  • Auf einen Blick
  • Seien Sie wachsam für Anzeichen möglicher Symptome von Traumatisierung und psychischer Belastung; es gibt sehr unterschiedliche Symptome und Störungsbilder, die auf eine psychische Traumafolgestörung hinweisen können.
  • Informieren Sie sich beispielsweise in Traumaschulungen über verschiedene Formen von Traumata, um diese erkennen zu können und um Handlungssicherheit zu gewinnen.
  • Im Fall eines Traumas sind professionelle Therapie und Beratung unerlässlich.
  • Informieren Sie sich bei Beratungsstellen über professionelle Anlaufstellen.
  • Haben Sie Geduld und unterstützen Sie die Geflüchteten darin, positive Erfahrungen mit den eigenen Kompetenzen zu machen.
  • Versuchen Sie, die Betroffenen davon zu entlasten, die Symptome als persönliches Versagen zu betrachten, denn sie sind normale psychische Reaktionen.
  • Achten Sie auf sich selbst und Ihre eigene Belastbarkeit und suchen Sie den Austausch mit anderen.
  • Mit einer Flucht gehen unter Umständen traumatische Erlebnisse einher. Nicht selten erlebten geflüchtete Menschen in ihrem Heimatland psychische Traumata.
  • Besonders belastende Erlebnisse können sich zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung entwickeln.
  • In der Folge sind starke Stressreaktionen eine normale Reaktion.
  • Die Symptome eines Traumas werden oft zu spät erkannt oder falsch zugeordnet.
  • Ein Trauma verhindert eine aktive Lebensbewältigung und kann das Asylverfahren stark beeinflussen.
  • Professionelle Diagnose und Beratungsleistung sind besonders wichtig!

Mehr zu Asyl- und Flüchtlingsfragen

z. B. bei diesen Online-Adressen:

Informationsverbund Asyl
Pro Asyl
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
Katholische Arbeitsgemeinschaft Migration
Arbeitskreis Asyl Rheinland-Pfalz

Glossar / Wörterbuch

Auf der Internetseite des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge finden Sie ein umfangreiches Glossar, in dem wichtige Begriffe aus dem Asyl- und Migrationsbereich kurz erläutert sind.